Oberklasse

 

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Zwar gibt es mehrere Hotels, die sich selbst 4 Sterne erteilen, verdient haben diese aber nur sechs Herbergen derzeit (von denen sich 3 übrigens selbst unter 5 Sterne einordnen - in die Kategorie eines Astoria oder Europa gehört aber keines der ansonsten guten Oberklassehotels - die eigenhändige Aufwertung ist wohl eher als Rechtfertigung für die hohen Preise zu verstehen). 

 

In der Oberklasse derzeit führend: Das Renaissance Baltic Hotel

In guter Lage in einer Nebenstraße am Isaaksplatz gelegen, findet man das Hotel nicht gleich. Wenn man dann davor steht, unterschätzt man dann die Größe: 8 Stockwerke und über 200 Betten verbergen sich hinter der schönen, aber nur 4 Stockwerke hohen historischen alten Fassade. Das Innenleben ist a la Mariott (der Muttergesellschaft): Eher nüchtern, aber amerikanisch gediegen. Der Service ist wirklich von Anfang an auf der Höhe (ich war inzwischen wirklich oft dort und jedes Mal fragte ich mich, ob ich nicht doch im Astoria gelandet bin - dieses hat ansonsten den besten Service der Stadt). Ein Zimmer kostet in der Saison ab 215 € Rack Rate - zuviel für ein Oberklasse-Hotel und Luxus bietet das Haus doch zuwenig - die selbsterteilte Einordnung als 5* Haus ist Unsinn aber gute Oberklasse ist es definitiv. Was die Restaurants anbelangt, habe ich dem Haus zu Anfang Unrecht getan: Das Canvas ist unspektakulär in der Halle des Hotels gelegen, bietet aber allerbestes Essen und das Cafe in der 6. Etage glänzt mit seinen Blicken über die Dächer der Stadt ebenso, wie mit gutem Service und ordentlichem Essen

Es gibt dazu inzwischen ein recht großes Fitness-Center mit einer allerdings eher sehr nüchternen Atmosphäre und der (typisch Mariott-Gruppe) Trennung der Sauna nach Männlein und Weiblein.

Das Haus ist insgesamt nicht aufregend, hat aber in der Oberklasse derzeit den stabilsten Service und die geringsten Schwachstellen.

Internet: Über die Mariott Seite kann man einige wenige Infos erhalten. Das die dort nach wie vor die Adresse des eigenen Hauses falsch schreiben, ist lustig !

 

Das Emerald - ehemals führend.

Das "Grand"-Hotel Emerald ist seit Mai 2005 mit dem Ausbau komplett fertig. Eröffnet hatte es schon früher, sodaß die ersten Gäste die Fertigstellung leider "live" erleben durften. Wirklich schön ist der große und attraktive Fitnessbereich. Zum Service kann man inzwischen - nachdem ich mich ja am Anfang zurückgehalten habe - sagen, daß der bekannte Name des ersten Direktors des Hauses in St. Petersburg (der Schweizer Kurt Ropers hat hier bis 2002 schon das sehr ordentliche und angenehme Hotelschiff Peterhof geleitet, bevor er für eine Zwischenzeit nach Moskau ging) tatsächlich für Qualität bürgte - der Service war bis Anfang 2006 schlicht Klasse. Einige Zeit nach seinem Weggang von Ropers ist das nun leider heftig gekippt. Inzwischen wird das Hotel zunehmend zu einem Anhängsel des Casinobetriebs und die Atmosphäre abends ist teils unangenehm für normale Gäste. Der Service nimmt Hotelgäste inzwischen offenbar auch als eher lästig wahr. Das Hotel gehört zur kleinen "Summit"-Gruppe.

Mit 92 Zimmern ist es ein eher (angenehm) kleines Haus - weshalb ich das "Grand" vor dem Hotel auch eher für einen Scherz halte. Die Lage ist nicht besonders gut, aber noch zentral. Die Zimmer sind durchweg sehr gut eingerichtet. Mit den den selbstverliehenen 5-Sternen wird man sich immer weniger schmücken können, wenn der Service weiter so nachläßt.

Die Preisliste war schockierend, hat sich aber inzwischen dem Markt angepasst. Man kann das Doppelzimmer mit Frühstück in der Nebensaison bereits ab 120 € buchen. Das ist dann ein sehr angemessener Preis ! Dafür ist das Haus in seiner Klasse noch immer eine Empfehlung. Ganz klar. In der Hauptsaison sind die Raten allerdings teils mehr als doppelt so hoch.

Internet: Die Homepage gibt inzwischen einen guten Überblick über das Haus.

 

Das internationale Hotel: Corinthia Nevskij Palace  

Neben dem sehr traditionellen "Astoria" und dem anspruchsvollen  "Europa" war Platz für ein modernes, angenehmes und funktionales Pendant als Luxushotel. Solange die Zimmer und Einrichtungen noch neuwertig waren, also vor gut 10 Jahren, füllte das Nevskij Palace diesen Platz unter den 5 Sterne Häusern auch recht gut aus. Sind die inzwischen sehr gealterten Standard-Räume heute nicht mehr, außerdem fehlt den einfachen Zimmern deutlich der Stil ("Gelsenkirchener Barock" hat es ein Freund genannt) - damit ist trotz des guten Service mehr als Oberklasse nicht drin. Die langsame Renovierung der Zimmer ist seit 2004 am Laufen und die erneuerten Zimmer sind nett geworden. Fragen Sie danach ! - Es ist durchaus eine Kategorie besseres Wohnen.

Das Nevskij Palace ist im Jahr 1992-94 komplett neu erbaut, hinter geschickt erhaltener Frontfassade. Es war zuerst unter schwächerer Leitung der MarcoPolo Gruppe, danach unter Leitung der Sheraton-Gruppe, die ein ausgesprochen gutes Management einbrachte. In einigen Buchungssystemen und Katalogen steht es bis heute als "Sheraton Nevskij Palace". Es gehört aber jetzt zur IHI Gruppe und firmiert seit Februar 2002 als Corinthia Hotel. 

Das Haus liegt direkt am Nevskij Prospekt und es werden derzeit die Gebäude rechts und links in den Komplex einbezogen werden - mit dem großen Umbau und der damit verbundenen Bautätigkeit ist inzwischen auf beiden Seiten begonnen worden - man residiert also bis mindestens 2008 noch auf der größten Baustelle am Nevskij. Weshalb ich vorerst nicht zu dem Haus rate.

Die Preise waren bis vor kurzem genauso heftig, wie im Europa - inzwischen gibt es attraktive günstigere Raten, auch in der Saison um 210 € und in der Nachsaison ab 190 € inkl. Frühstück - das ist dann immer noch sehr hoch, aber nicht ganz so unerträglich, wie die Rack Rates von 400 US$. Die meisten Restaurant und Service-Preise sind trotzdem teuer, auch im internationalen Vergleich. Der Business Lunch mittags in der mit viel Holz eingerichteten deutschen Bierbar ist mit 10,99 US$ für ein gutes Buffet dagegen eine sehr empfehlenswerte Sache. Der Service im ganzen Haus ist gut bis perfekt. Als ich zuletzt in der Bierbar war und mir vom Buffet den Nachtisch geholt habe, hatte ich noch nicht ganz Luft geholt und die Bedienung hatte schon erkannt und gefragt: "Noch ein Cappucino?" Diese Art Aufmerksamkeit zieht sich bisher durch alle Bereiche. Das ist auch nach den Besuchen nach dem Weggang des alten Direktors im März 2005 unter dem neuen Chef bisher genau so gut geblieben.

Zum Hotel gehört das teure Spitzen-Restaurant Landskrona, welches sich mit 2 oder 3 anderen Plätzen in St. Petersburg um den Titel des besten Restaurants der Stadt streitet. Ich habe dort fantastisch bis schlimmsten Falls (zuletzt öfter mal) durchschnittlich gegessen, aber noch nie schlecht.

Internet: Nevskij Palace (gut gemacht, viele Info und Angebotspakete)

 

Gute und klassische Petersburger Hotellerie: Angleterre

Das Angleterre liegt unmittelbar neben dem Astoria (Luxusklasse) und hat das gleiche Management (Rocco Forte). Insgesamt ein sehr angenehmes Haus. Zwar hat das englische Management vor nun 6 Jahren der sehr attraktiven und ansprechenden Tanzshow in der Casino-Bar etwas den erotischen Touch genommen, die Show ist aber noch immer eine Attraktion. Auch das Casino gehört zu den besseren seiner Art in St. Petersburg - wem es gefällt. Die Preise sind für westliches Verständnis mit etwa 190 € Sommer Rack Rate zu hoch, aber nicht so schlimm, wie bei anderen Oberklasse Hotels. In der Nebensaison liegen wir jetzt bei 150 €. Die Buffets im Restaurant Borsalino (im Winter immer Freitags, im Sommer häufiger) sind empfehlenswert, die dazu gebotene Unterhaltung (Jazz, Gesang, Klassisches) nach aller Erfahrung super. Die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet, aber wie im Nevskij Palace auch nicht ganz neu, es reicht für die Einordnung in die Oberklasse aber noch lange aus. Obwohl ebenfalls mitten im Zentrum gelegen, kann man nachts bei fast allen Zimmern - auch denen zum Isaaksplatz hin - ruhig schlafen. Wirklich angenehm ist auch der Service im gesamten Haus: Freundlich, offen, ehrlich bemüht - hier scheint das "Betriebsklima" zu stimmen.

Internet: Angleterre (optisch gut gemacht, aber langsam und wenige Info)

Werbung in eigener Sache: Das Angleterreist eines der Häuser am Platz mit denen wir inzwischen als Philipp Reisedienst einen Vertrag und entsprechend günstige Raten haben. Fragen Sie uns !

 

So geht das: Novotel führt vor, wie man mit minimalem Aufwand ein Oberklassehaus einrichtet

Die französische Accor Gruppe wird seit nun 8 Jahren als Kandidat gehandelt, um in St. Petersburg ein Hotel zu eröffnen. In 2006 ist es wirklich passiert: Vor einem Jahr machte an der Mayakovskogo Straße im Zentrum in unspektakulärer Lage ein unspektakuläres, aber rundum angenehmes Hotel auf. Das Novotel St. Petersburg ist weit weg vom pseudo-plüschigen Stil anderer Häuser (ich denke da an das negative Beispiel eines Petro-Palace oder Ambassador) und wirkt mit aufgeräumter Geradlinigkeit ganz nach Novotel-Art in St. Petersburg wie ein Kontrapunkt zu einer eher verspielten Stadt.

Dabei verfügt das Haus über ein für die Klasse gutes Fitness-Center mit Sauna und Dampfbad, sowie ein ordentliches mediterranes Restaurant und 230 ebenfalls ordentliche Zimmer. Der Service ist nett und funktioniert. Alles ist wie gesagt unspektakulär, so wie man Novotel weltweit kennt, aber objektiv doch Oberklasse. Deshalb steht es hier.

Homepage (das bei Accor übliche: gute Preise, solange die Ausbuchung schlecht ist)

 

Nevskij Prospekt, aber wenig empfehlenswert: Radisson SAS

Das in 2002 neu eröffnete Radisson gibt sich selbst 5 Sterne, es ist auch wirklich geschmackvoll und gut ausgestattet. Es hat aber außer einer guten Bar und einem 08/15 Restaurant keine gesellschaftlichen Einrichtungen (es sei denn, man würde die kleine Sauna mitzählen) und die Zimmer sind ordentlich, aber meist funktional skandinavisch. Das reicht nicht für ein echtes Luxushotel. In dieser Kategorie sind aber leider die offiziellen Preise angesiedelt: Exakt auf dem Niveau von Astoria und Europa mit 290 € pro Nacht. Das ist mir viel zuviel.

Der Service ist behäbig und schlicht unfreundlich - wenn auch attraktiv und ansprechend gekleidet und zunächst einmal Kompetenz ausstrahlend. Leider hat sich aber der erste Eindruck aus 2002 bis 2006 immer wieder, mehrfach und voll bestätigt, da ist der Wurm drin. Ein Höhepunkt aus eigenem Erleben im Jahr 2004: Ich hatte Parmesan zurückgehen lassen, weil da gut sichtbar und nicht zu knapp Blauschimmel drin war - bis zu dem Punkt war die junge Dame vom Service mit mir einig. Meine Pasta hatte ich leider schon bestreut. Allen Ernstes brachte die Bedienung dann sowohl den Parmesan zurück ("die Küche hat gesagt, der sei in Ordnung, es sei ja nicht überall Schimmel gewesen") und wollte auch die Pasta nicht freiwillig abräumen. Das ganze Schauspiel gab es für rund 20 € für den Pastateller - auf Bezahlung wurde bestanden. Vergleichbares berichteten Leser von Zimmerservice und Rezeption: Erst im März 2005 hat sich ein Gast nach dem Diebstahl seiner Geldbörse mit Kreditkarten hilfesuchend an die Rezeption gewandt, wissen Sie worin die erste Hilfe des "Luxushauses" bestand ? In dem Hinweis, daß er die Rechnung begleichen müsse und erst dann seinen Reisepass wieder erhalte. Ein anderer Gast hat dann mit dem Hinweis auf die Beschaffung von Geld über Western Union ausgeholfen und die Dame an der Rezeption davon überzeugen können zu dem Zweck den Reisepaß herauszurücken. Meiden Sie das Radisson - es führt sowjetische Servicetradition in St. Petersburg fort. Inzwischen (Ende 2006) ist man offenbar etwas auf dem Wege der Besserung - bei meinen beiden Besuchen in diesem Jahr gab es nichts zu beanstanden. Als ich zuletzt frühmorgens einen Kunden vom Hotel abholte, hat man mir sogar einen Cappucino spendiert, ohne mich für einen Hotelgast zu halten - einfach so aus Gastfreundschaft morgens um 06:00 Uhr - das läßt sehr hoffen. Die Lage am Nevsky ist natürlich gut, verlangen Sie aber unbedingt Zimmer zum Hinterhof, wenn Sie ruhig schlafen wollen.

Die Preise sind mit Rabatten über Buchungssysteme in der Nebensaison zurecht in die Nähe von 140 € abgeglitten (Stand Winter 2006). Die zufriedensten Gäste waren die, die die Serviceleistungen und Restaurants nicht genutzt haben, sondern nur übernachtet und die wirklich gute Lage genutzt haben.

Internet: RadissonSAS (schwer zu finden, sehr wenig aussagefähig)

 

Copyright © 2000 "Unsere Datscha in Toksovo", Maria & Klaus Horst Philipp (Adresse)
Stand: 15. Januar 2007
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