Kneipen / Restaurants

 

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In St. Petersburg machen inzwischen wöchentlich Lokale auf und andere schließen - ganz normal in einer so großen Stadt, nur war es früher eben nicht so. Wenn ich früher (bis 2001) noch Anspruch erheben konnte, in der Stadt mit 5 Millionen Einwohnern JEDES bessere Restaurant im Zentrum zu kennen, ist das heute schlicht unmöglich. Das ist gut so.

Das Defizit an Möglichkeiten, abends auszugehen, welches noch bis etwa 2001 enorm war, hat sich erledigt. Auch die Regel, daß die guten Lokale immer voll und deshalb irgendwann auch teuer sind, stimmt nicht mehr. Langsam wird die Restaurantszene wirklich angenehm.

Die Preise sind zum Teil sogar deutlichst unter westeuropäischem Niveau (20-50% weniger). Was dazu in vielen Reiseführern steht (gleiches Preisniveau, wie in Deutschland) stimmt nicht und bezeugt eher, daß die Autoren nur in den Hotelrestaurants waren. Schöne Entwicklung. "Früher" war man zufrieden, wenn man im Domenicos am Nevskij Prospekt für 8 € Eintritt rein durfte und dann für weitere 8 € einen Vodka-Cola bestellen durfte. Oder wenn man für 5 € im Sadkos einen einigermaßen ordentlichen Cappucino bekam - bis etwa 1998 hatte die Bar damit Nachmittags am Nevskij ein Monopol. Das klingt lustig, war aber für einen Reisenden schlicht lästig und ärgerlich.

Heute ist das alles erledigt: Echte Marktwirtschaft hat zu enormer Konkurrenz geführt und der Gewinner ist: Der Gast. Einen Cappucino bekomme ich heute für 1,30 € in Spitzenqualität und angenehmer Umgebung an 8-10 verschiedenen Stellen am Nevskij (nicht mehr im Sadkos - das ist inzwischen leider zu). Wenn ich schon die Restaurants nicht mehr alle kenne, dann versuchen wir mal wenigstens ein paar geographische Hinweise zu geben:

- am Nevskij gibt es zahlreiche Restaurants, die meist nicht schlecht, aber alle etwas teurer sind, als in den Nebenstraßen

- seitlich vom Nevskij, in der Italianskaya, am Pushkin-Platz, in der Kazanskaya Ulitza, Rubinsteina, Bolshaya und Malaya Morskaya u.s.w. gibt es viele kleine Restaurants, die gut und ershwinglich sind (ein typisches Mittagsmenü, in Russland immer "Business-Lunch" genannt, kostet rund 4-8 € mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert)

- den Moskovskij Prospekt entlang gibt es viele Restaurants, die auch in der Saison wenige Touristen und hauptsächlich Einheimische bewirten

- gleiches gilt für die 6. Linie (Fußgängerzone) auf der Vassilevskij Insel

- in der Furshtatskaya und im ganzen Straßengewirr südlich des Nevsky finden Sie zahlreiche nette Kneipen und Restaurants

- die bestbesuchten Diskotheken gibt es immer da, wo nachts die meisten Autos davor stehen

Weil das alles recht neue Entwicklungen sind: Genießen Sie die Hinweise der Reiseführer (genau wie unsere auch) mit Vorsicht und werfen Sie einen Blick auf das Datum der Drucklegung !

Ein Wort vorweg zum Essen: Das geschieht in Russland traditionell daheim und deshalb ist die Empfehlung für ein gutes Abendessen, sich zu einer russischen Familie zum Essen einladen zu lassen. Die "russische" Küche heute ist eine fantastische Mischung verschiedener Küchen und wird zuhause wirklich interessant zubereitet.

Restaurants sind aber noch weit davon entfernt diese Freuden zu bezahlbaren Preisen ans Publikum zu bringen. Also erwarten Sie nicht zuviel und nehmen Sie Abstand vom Versuch, etwa durch Aufsuchen ausgesprochen teurer Restaurants die russische Küche entdecken zu wollen.

Die folgenden Tips helfen vielleicht bei der geschickten Auswahl, ich muß aber nochmals hinzufügen, daß ich angesichts der inzwischen doch einigen hundert Cafes, Bars und Restaurants keine Authorität mehr bin. Die Szene ist schnelllebig unübersichtlich und interessant geworden, was man vor nur 2 Jahren definitiv noch nicht sagen konnte. - Probieren Sie es halt aus !

Nachfolgend habe ich die Tips in 3 Kategorien eingeteilt:

Russisches Essen, Internationales Essen, Clubs, Disko, Tanz

 

Einmal im Leben: Sonntags-Brunch im Europa

Haben Sie schon einmal Schwindelgefühle beim Anblick eines Büffets gehabt? Nein? Sie sollten Ihre Standfestigkeit an einem Sonntagmorgen beim Brunchen im Jugendstilsaal des Grandhotels Europa prüfen. Bei klassischer Musik und viel zuviel von allem hat man das bestürzende Gefühl, es könne von hier an nur schlechter werden. Der Spaß kostete früher 30 US$ (auch noch am 1. Januar 2002, als ich mit Frau und 2 Freunden das letzte Mal das Vergnügen hatte), das ging absolut in Ordnung. Im Winter 2006 sind es nun ganze 85 US$ - die allerdings ist es mir nicht mehr wert. Entscheiden Sie selbst.

Lustige Sache: Cafe Idiot

Ein Treffpunkt der jungen Gäste der Stadt mit origineller Karte und gutem Service. Ich finde es nicht aufregend - alle anderen Ausländer und die entsprechenden Reiseführer schon. Ja - gaaanz früher war Dostoevsky mal da, keine Angst - der kommt nicht.

Mittags schnell zwischendurch: Karavan

Beide Restaurants bieten gute Küche zum normalen Preis (zu Zweit rund 400 - 600 RBL komplett mit Salat, Suppe, Hauptspeise, Cafe oder Bier = 15 - 30 €). 

Hier darf gefressen werden: Das Krokodil

Es stand erst mal im Rufe ein Zentrum der Gay-Szene zu sein, was meines Wissens nie stimmte. Gut und einigermaßen preiswert gegessen und getrunken hat man dort aber schon immer. Nahe des Denkmals Pieter I in einer Paralellstraße zur Neva, in der Kazanskaya Ulitza gibt es inzwischen ein weiteres Krokodil.

Russisch, englisch, klassisch: Die Bar des Astoria

Es ist teuer und es ist selten spektakulär, aber die Qualität von Getränken, Speisen und Service ist Klasse. Die Atmosphäre ist nach der Modernisierung im Herbst 2001 schicker geworden, aber noch immer zum Wohlfühlen. Einer meiner Lieblingsorte für eine frühe Dosis Koffein und eine Tageszeitung.

Derzeit "In": Das Havanna

Die Latin-Bar am Moskovsky Prospekt ist regelmäßig vollgepackt mit Petersburger Nachtschwärmern, eher weniger "Intouriste". Tolle Musik und das tanzende Publikum, sowie ein manchmal inspririerter Barmixer machen das Haus aus. Inzwischen gibt es auch Moijito und Daiquiri in guter Qualität.

Das Highlight russischer Küche: Podvorie

In dieses Haus im einfachen klassisch russischen Holzbau hat Putin seinen Freund Gerhard und Frau Doris eingeladen und es soll allen sehr gut gefallen haben. Uns auch. Das Podvorie ist derzeit die beste Adresse, um gut russisch essen zu gehen. Etwas derb, unterhaltsam, sehr gut und ... teuer. Eben Rußland. In Pavlovsk an der Filtrovskoe Shosse.

Nett gemacht: Orient Express

In der Ul. Marata gelegen bietet das Restaurant in netter Atmosphäre recht ordentliches Essen. Das Bistro hat nicht ganz so interessantes Ambiente, gleiches Essen, aber Mikro-Portionen.

Günstiges Mittagsbuffet am Nevskij: Das Stroganoff-Yard

Für rund 5 € soviel vom recht reichhaltigen Mittagsbuffet, wie man mag. Das Ganze direkt in einem netten, baumbestandenen Hof am Nevskij Prospekt, im Winter mit viel Licht und im Sommer mit geöffneten Fenstern - selbst wenn es qualitativ nur Durchschnitt ist, macht es der Preis und das Drumherum zu einer Empfehlung.

Georgische Küche in guter Einrichtung: Das Kavkaz

Etwas abseits, an der Ul. Stakhanovtsev gelegen war das schon lange ein Treffpunkt auch für Georgier, bei meinem letzten Besuch war das Essen noch immer eher im gehobenen Preisbereich, aber jetzt richtig gut. Das Interieur ist angenehm und es wird Ihr Essen am offenen Grill zubereitet. Eine Empfehlung ist der grusinische Wein  "Mukosani" (allerdings ist er nicht billig).

Na ja, irgendwie komme ich auch nicht drum herum: Das Tschaika

Deutsches Restaurant am Kanal Griboedov, unweit des Nevskij gelegen, mit viel Geschichte (ältestes von Ausländern betriebenes Lokal der Stadt überhaupt, Treffpunkt von Putin und Schröder zum Bierchen, Lebensmittelpunkt eines Katers). Teuer, wirklich guter Service, viele Deutsche. Ich hatte es absichtlich bisher nicht erwähnt: Warum sollte man als Deutscher beim Entdecken einer fremden Stadt ausgerechnet in ein deutsches Lokal gehen ? Irgendwie lande ich aber selbst immer mal wieder zu einem Bierchen und ein paar Nürnberger Bratwürsten mit Kraut da. Ist es eine Institution ? Wohl ja.

Super Buffet zu angemessenen Preisen in netter Umgebung: Das Borsalino im Angleterre

Für 25 € darf man unbegrenzt an die inzwischen 2 x wöchentlich (Sommer, im Winter nur Freitags) angerichteten Buffets ran. Wirklich angemessen. Wir hatten zuletzt ein Fischbuffet, welches einfach super war. Zügeln Sie sich etwas, weil die Süßspeisen zum Schluß eine Stärke der Küche sind (Chef Italiener). Schade nur, daß die Bar nach dem reichhaltigen Essen mit Digestivs nicht ganz so toll sortiert ist. Kleiner Tip: Für 10 € bekommen Sie den ordentlichen Hauswein (weiß gehaltvoller, als rot) in Karaffen bis zum Abwinken.

Die russische Frittenbude: Blini-Stände im Zentrum

Unter anderem am Pushkin-Platz in der Nähe des Nevskij steht eine. Hier bekommen Sie russische Pfannkuchen (in der Konsistenz etwas ähnlich wie französische Crepes) mit allerlei lekerem Inhalt (z.B. Käse oder russische "Smetana", eine joghurtähnliches Milchprodukt). Ich mag - ganz unrussisch - Schokolade mit Bananenstücken am liebsten. Kostet 20-90 RBL und ist eine nette, saubere Sache.

Anleihen aus Afrika mitten in St. Petersburg: Congo

Das wirklich bis ins Detail perfekt eingerichtete Restaurant liegt in der Shukovskaya Straße. Das Essen ist fantastisch, eine Fantasie zum Thema Afrika. Bestens angepasst an europäischen Geschmak. Die Preise sind erträglich, der Service zuvorkommend und alles zusammen macht das kleine Restaurant zu einer echten Empfehlung.

Japanisch ist In! Das "Dvuch Palutschkij"

An der Italianskaya Ulitza, nahe am Russischen Museum und am Nevsky gelegen, ist dies ein guter Platz für ein gesundes Mittagsessen. Japanisch war 2003/2004 in Petersburg das "In-Essen". In dem Zug entstand "Dvuch Palutschkij", was soviel wie "Zwei Stäbchen" heißt. Mit konstant guter Leistung und überschaubaren Preisen ist es mir trotzdem ans Herz gewachsen. Nachteil: Das Timing ... selbst wenn Sie nur zu 2. sind werden Sie ihr Essen NICHT gleichzeitig erhalten. Kann man offenbar nichts daran machen.

 

Ein paar ANTI-TIPS:

- Alle italienischen Restaurants, vom Pizza Hut bis zum italienischen Restaurant "Rossi´s" im Hotel Europa, sind für einen verwöhnten Italienreisenden nichts besonderes und eher zu teuer in St. Petersburg. Am ehesten können Sie noch in "Vox" im Zentrum nahe des Marsfeldes italienisch essen gehen - aber fein und teuer.

- Für unsere Verhältnisse extrem teuer und das viele Geld leider nicht wert sind abendliche Besuche in den Möchtegern- Top- Restaurants, wie Noble-Nest, Fliegender Holländer, Landskrona, Rossi im Hotel Europa, Taleon, Senat-Bar und andere. Bisher ist nach meiner Meinung zum Stand 2006 KEIN EINZIGES Restaurant in der ganzen Stadt verdächtig, etwa durch Michelin- oder andere Gourmet-Führer ausgezeichnet zu werden. Die Preise der Möchtegern- Top- Restaurants würden das aber voraussetzen. Schlecht sind diese natürlich nicht direkt (das Canvas im Renaissance oder der Fliegende Holländer sind oft sogar sehr gut), aber die Preise und Leistungen stehen in keinem Verhältnis.

- nehmen Sie Abstand davon, im Restaurant importierten Wein zu trinken: Er ist in Russland ohnehin sehr teuer und im Restaurant geht das Preis-/Leistungs- Verhältnis dann endgültig verloren. Tip: Inzwischen gibt es wirklich gute georgische und moldawische Weine, die sehr günstig sind - die seien hiermit anstelle der Importweine empfohlen. Ist doch auch interessanter, oder ?

- wenn es sich vermeiden läßt, gehen Sie nicht in eines der inzwischen 16 McDonalds. Ja ... da steht eine Schlange. Nein ...  es gibt nichts besonderes. Es ist billig (19 RBL = 0,55 € für den Hamburger) und damit erschwinglich für Kinder unter 16 und deshalb stehen die da in der Schlange. Aber Sie waren da ja sicher schon mal drin, daheim. Hier gibt inzwischen viel mehr zu entdecken, als den weltweiten Standard-Mampf von McD...

... unter anderem sicher Dutzende guter Lokale, die ich einfach nicht mehr kenne und deshalb hier nicht nennen kann ... wer hat weitere Tips? Schreibt uns unter

  info@toksovo.de.

Alle diese Lokale und eine Reihe weiterer guter und  kommentierter Plätze findet man in der in der 

St. Petersburg Times

Die kostenlose, aber im redaktionellen Teil dennoch hervorragende englischsprachige Zeitung wird in allen größeren Gaststätten und Hotels ausgelegt und erscheint zeitgleich im Internet. Dort stehen auch die exakten Adressen, ein Stadtplan und die Telefonnummern.

 

Copyright © 2000 "Unsere Datscha in Toksovo", Maria & Klaus Horst Philipp (Adresse)
Stand: 15. Januar 2007
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